Freitag, 29. März 2013

Der elrawi-Report
Es geht weiter

Lange nicht in mein Tagebuch geschrieben! Warum nicht? Nun, keine Lust, fehlende Motivation, müde, schlapp, nach der kleinsten Anstrengung fix und alle, langer Winter, leicht depressiv und vor allem das Gefühl, wenn ich jetzt weiterschreibe, dann geht alles in Jammern über! Und ich mag nicht jammern, es reicht ja schon, den Telefonhörer abzunehmen wenn es klingelt, aha ein Bekannter oder eine Bekannte und dann geht es los mit nicht enden wollenden Tiraden, wie schlecht es doch allen, und vor allem ihnen selbst, geht. Nach einer halben Stunde kommt dann die Frage: ach, wie geht es dir eigentlich und ohne eine Antwort abzuwarten, geht es weiter in Richtung sich selbst und die eigenen Wehwehchen und Krankheiten aufzuarbeiten.

Naja, ich bin ein höflicher Mensch und meine Krankheit hat mich schon ein wenig Geduld gelehrt! Also höre ich mir an, was da an Kopf-, Glieder-, Gelenkschmerz durch den Raum klingt, was alles an Symptomen da ist, weil man eine Nacht überhaupt nicht ein bissel geschlafen hat: da nehme ich doch schon Schlaftabletten und stell dir vor, die wirken bei mir überhaupt nicht, du kannst dir nicht vorstellen, wie ich schwanke und wie schwindlig mir ist. Wenn das weiter so geht, dann kippe ich noch aus den Latschen, meine Knie sind so schlapp und jeder einzelne Nerv zittert und bibbert, die Gelenke schmerzen alle und auf die Toilette konnte ich auch nicht gehen.

   Wenn mal die Kraft nicht reicht - ist so ein Telefondisplay nützlich   

Ich höre zu oder auch nicht, hoffe, das noch etwas kommt, was neu für mich wäre, was mich davon abhielte, gleich wieder todmüde zu werden und möchte den Hörer am liebsten einhängen, aber, wie gesagt, unter normalen Umständen bin ich viel zu höflich, um so einen Redefluss zu unterbrechen und ich weiß ja auch, dass diese Leutchen kaum jemanden finden, der ihnen zuhört, bei denen sie sich mal so richtig auslassen können. Zu meinem Glück gibt es ja Displays, auf denen man zu einem großen Teil sehen kann, mit wem man es gleich mal zu tun haben wird. Eine tolle Entwicklung, da kann man auch mal so einen Anruf „überhören“, gerade wenn es einem selbst mal wieder überhaupt nicht gut geht und solche Geschichten mich dazu bringen, die Treppe in den Keller immer tiefer hinab zu steigen.

Aber jetzt werde ich erst mal jammern! Seit dem letzten Sommer, eigentlich seit dieser Kur in Bad Schandau, ist es mit meinem Befinden immer weiter abwärts gegangen. Meine Frau Doktor aus Dresden hatte mich ja sofort auf ihre Station eingewiesen, weil sich mein Gesundheitszustand ganz extrem verschlechtert hatte und das während einer Kur! Nach 14 Tagen war ich dann wieder soweit stabil, dass ich aus der Klinik entlassen werden konnte. Aber diese 14 Tage hatten es in sich!

Untersuchungen über Untersuchungen, dieses Mal wollte nicht nur ich, sondern auch meine Frau Doktor ein Ergebnis sehen, wollte herausfinden lassen, warum es mir so schlecht ging. Also EMG, CT mit Kontrastmittel, Ärzte von der Schmerzambulanz und ein Psychiater durfte natürlich auch nicht fehlen. Dazu jeden Tag Physiotherapie und nachts in einem Zimmer mit einer Mitpatientin, die an Apnoe litt, d. h., sie schnarchte so sehr und in allen Tonlagen, dass ich kaum mal zum Schlafen kam.

Aber, die arme Frau war auch selber so fertig und andererseits so eine liebe Patientin, dass ich das natürlich ohne zu murren ausgehalten habe. Wir schreiben uns jetzt immer noch und ich habe sie auch schon zweimal in ihrem Seniorenheim besucht.


   Das ewige Hin- und Her von Überbeweglichkeit und Steifheit   

Nun aber zu meinen Symptomen! Das, was mich ganz wahnsinnig stört ist das ewige Hin und Her von Überbeweglichkeit und Steifigkeit. Nehme ich meine Medikamente so wie vorgeschrieben, bin ich binnen einer Stunde total überbeweglich, zappel wieder herum, der Kopf kann nicht stillhalten, der Mund verzerrt sich zu einer Grimasse und steht meistens offen und dieses Gefühl im Kopf, das ich gar nicht so richtig beschreiben kann, ist für mich kaum auszuhalten. Was tue ich also, nachdem ich bei meinem Neurologen war und auch in Dresden bei meiner Ärztin, die mir beide nicht helfen konnten? Richtig, ich versuche mit weniger Medikamenten auszukommen. Und die nehme ich auch dann erst, wenn die Überbeweglichkeit schon wieder in Steifigkeit übergeht. Leider ist es dann aber schon so weit, dass ich nicht mehr locker und leicht in den anderen Bereich wechseln kann, sondern, besonders dann am Nachmittag bzw. gegen Abend bin ich so stocksteif, dass ich mich kaum bewegen kann. Wenn überhaupt, dann schlurfe ich langsam durch die Gegend, bekomme die Arme nicht mal so hoch, dass ich mir das Essen in den Mund schieben kann und sämtliche Gelenke und Glieder schmerzen so sehr, dass ich so langsam aber sicher dabei bin, meinen Optimismus zu verlieren und ganz und gar in eine Depression hinabgleite.

Überhaupt – Schmerzen! Mal abgesehen davon, dass ich mich nachts im Bett kaum selber drehen kann, ist es mit dem Aufstehen auch so eine Sache, ich versuche, mich auf die Seite zu rollen, die Beine erst mal aus dem Bett zu bekommen, um mich dann ganz, ganz langsam, Wirbel für Wirbel aufzurichten. Wenn ich dann nach einer gefühlten Ewigkeit endlich stehe, sind die Schmerzen im Lendenwirbelbereich kaum auszuhalten und es dauert noch eine ganze Weile, bis ich den ersten Schritt machen kann.

Dazu kommt, dass es mir die Augenlider immer wieder zuzieht und ich denken muss, sie wären mit Klebstoff belegt, so sehr habe ich zu tun, sie dann wieder zu öffnen.

Aufgrund all dieser Symptome hat meine Dresdener Ärztin mir Tasmar verschrieben. Dieses Medikament soll die Wirkzeiten des Levodopas gleichmäßiger verteilen. Es ist allerdings auch mal wieder eines mit ner Menge an Nebenwirkungen, besonders die Leber wird davon in Mitleidenschaft gezogen. Deshalb muss ich dieses ganze Jahr über alle 14 Tage zum Blut ziehen, um die Leberwerte abzuchecken.

Nun ist es ja auch so, dass Blut ziehen der blanke Horror für mich ist, denn – ich gebe anscheinend nicht so gern mein Blut ab. Jedenfalls habe ich sehr dünne Venen, die noch dazu die Eigenschaft haben, immer dann zu platzen oder wegzurollen, wenn jemand Blut haben möchte. 5 oder 6 Versuche an meinen Körpersaft zu kommen, sind kein Einzelfall und durch das Rumstochern und Nachschieben der Nadeln habe ich immer Ostereierfarben an den Einstichstellen, was nicht mal so schlimm wäre, nein, aber ich kann den Arm nicht mal mehr ohne Schmerzen drehen.

Ob es auch mit diesem Medikament zusammen hängt, dass meine rechte Seite jetzt ganz oft dem Tremor anheimfällt, wovon dann besonders das rechte Knie betroffen ist, ich weiß es nicht.

   Wäre es ohne die OP noch schlimmer?   

Bei all diesen Dingen fällt mir dann immer wieder ein, wozu hast du diese Operation machen lassen? Überbeweglich, dann wieder steif und sämtliche andere Unwägbarkeiten weitaus schlimmer geworden, wozu dann eigentlich? Natürlich weiß ich nicht, ob es nicht noch schlimmer wäre, wäre ich diesen Schritt nicht gegangen, aber dass ich nur knapp zwei Jahre in einem guten Zustand damit gewonnen habe, das will mir nicht so richtig in den Kopf und das empfinde ich jetzt erst mal als enttäuschend.

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